HistAK Neumarkt
Historischer Arbeitskreis Neumarkter Hochtal

Breite Unterstützung der archäologischen Recherche

Unter unseren Füßen finden wir Spuren vergangener Kulturen, die diese Landschaft geprägt und gestaltet haben

Mit finanzieller Unterstützung der Marktgemeinden Neumarkt und Mühlen, des Naturparkvereines, des Tourismusverbandes und des Burgvereins Steinschloß hat der Historische Arbeitskreis in Partnerschaft mit dem Universalmuseum Joanneum eine archäologisch-landschaftliche Recherchearbeit durchgeführt, die die Basis eines Konzeptes für die weitere wissenschaftliche Aufarbeitung und deren touristische Umsetzung bildet. Die von  der Archäologin Sarah Kiszter erstellte Studie wurde am 16. Mai 2016 im Schloss Lind präsentiert und vom Universalmuseum Joanneum dem HistAK Neumarkter Hochtal übergeben.

Die Grundmauern der Georgikirche in St. Georgen bei Neumarkt mit eingemauerter römischer Spolie (Foto: O. Harl)

Uralter Kulturboden

Dass das Neumarkter Hochtal eine historisch äußerst interessante Gegend ist, ist in Fachkreisen seit mehr als hundert Jahren bekannt. Aber seit den Grabungen des damaligen Landesarchäologen Walter Schmid in den frühen 1930er Jahren und einigen vereinzelten Nachuntersuchungen wurde die Region kaum wissenschaftlich bearbeitet. Ausnahmen sind Detailbereiche wie die Ruine Stein, die Mariahofer Kirche sowie die Jakobi- und die Georgikirche.


Neue Wege in der Archäologie

Eine vermutliche frühere Siedlungsstelle im LiDAR (Quelle: Gis-Steiermark)

Eine echte systematische Untersuchung der Besiedlungsgeschichte wurde bislang nicht durchgeführt. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Sichtweise der Archäologie stark verändert. Heute geht es in erster Linie darum, historische Kulturlandschaften zu verstehen und zu erhalten.  Um die Entwicklungen und Veränderungen nachvollziehen zu können, werden moderne Methoden wie etwa die Analyse so genannter LiDAR-Scans und Luftbildaufnahmen eingesetzt und bereits vorhandene Daten und Archivdokumente erfasst.

Reste von Hügelgräbern, die noch als sog. Bewuchsmerkmale in Luftbildaufnahmen zu erkennen sind (Quelle: Gis-Steiermark)

266 Funstellen und Fundkomplexe

Dabei wurde eindeutig festgestellt, dass die Neumarkter Passlandschaft in allen historischen Epochen weit dichter besiedelt war als bislang angenommen. In der Studie wurden insgesamt 266 Fundstellen, die von der Urgeschichte bis in die Neuzeit reichen, erfasst. Dazu zählen Orte mit Einzelfunden oder Fundkomplexen, aber auch größere Areale und Strukturen (Siedlungsstellen und Flächen mit „Bewuchsmerkmalen“) und mehrere teilweise neu entdeckte Gräberfelder.


Bronzeschmucknadel aus der Urnenfelderzeit (Späte Bronzezeit 1.300 – 800) © Verein Keltisches Noreia

Dichte Besiedelung

Es zeigt sich, dass das Hochtal sowohl im Mittelalter als auch in der Römerzeit dicht besiedelt war. Einzelfunde aus der Bronzezeit, der Hallstattzeit und der La Tène-Zeit und Pollenanalysen aus den Hochmooren enthalten Hinweise auf noch frühere Besiedlung und frühe Bergbautätigkeit. Dazu kommt, dass in Tauchendorf (Kulm) bereits 2009 vom Archäologen Tiefengraber eine der größten Hallstattzeitsiedlungen im Ostalpenraum nachgewiesen wurde.

Eines der vielen vorerst nicht erklärbaren Einzelobjekte im Neumarkter Hochtal

Auffällige Einzelobjekte

Daneben gibt es noch eine Vielzahl von auffälligen Einzelobjekten, die seitens der Archäologie nicht erklärt bzw. zeitlich eingeordnet werden können. Der Historische Arbeitskreis wird in nächster Zeit in enger Zusammenarbeit mit dem Joanneum, aber auch mit den anderen historischen Vereinen und Institutionen unserer Gegend (Keltisches Noreia, Burgverein Steinschloß, das ANDERE heimatmuseum lind) versuchen, ein wenig Licht in das teilweise rätselhafte Dunkel unserer Vergangenheit zu bringen. Und den Skeptikern unter uns möchte ich abschließend ein Shakespeare-Zitat aus dem Hamlet ans Herz legen: „Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, Horatio, von denen sich eure Schulweisheit nichts träumen lässt.“

Werner Fest